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Ran an die Riemen!

Rudern kann jeder – ob alt oder jung, Mann, Frau oder Kind. Aber wir reden hier nicht von den schaukelnden Kähnen, in denen Familien den Sonntagnachmittag verbringen oder frisch Verliebte das erste Rendezvous. Wir waren beim Hannoverschen Ruderclub von 1880 e.V.

Der Hannoversche Ruderclub trainiert auf dem Maschsee.
Im Boot gibt es eine eingebaute Vorrichtung für die Füße.
Man unterscheidet zwischen Skullen (in jeder Hand ein Ruder) und Riemenrudern (ein Ruder mit beiden Händen).
Gemeinsam tragen sie das Boot ins Wasser.
Schuhe und Badelatschen aus und ab geht’s ins Boot – und zwar synchron.
Die Harmonie macht’s: beim klassischen Achter muss das ganze Team synchron rudern.
Ist der Flow gefunden, gleitet das Boot mit etwa 25 Kilometern pro Stunde übers Wasser.

Auf dem Wasser sind Florian Wendt und seine Mitstreiter in ihrem Element. Ihr Sport vereint wie kaum ein anderer Technik und Ausdauer. Auf dem Maschsee trainieren sie mindestens viermal pro Woche in den schmalen Großbooten, um fit zu sein für die nächste Bundesliga-Saison. Wir haben zugeschaut!

Die Frühlingssonne steht über dem Maschsee, kein Wölkchen trübt den Himmel. „Bei so einem Wetter zieht es jeden Ruderer aufs Wasser“, sagt Sebastian Proske, Marketing-Vorstand beim Hannoverschen Ruderclub von 1880 e.V. (HRC) am Westufer des Maschsees, während die Bundesliga-Mannschaft des Vereins das Boot zu Wasser lässt. „Jetzt beginnt die schönste Jahreszeit für uns.“

Rudern ist aber nicht nur ein sonniges Freizeitvergnügen, sondern ein anspruchsvoller, schweißtreibender Sport, bei dem es auf eine absolut saubere Schlagtechnik ankommt, auf Ausdauer und Biss. Deshalb fügt er hinzu: „Uns halten nur Eis, hohe Wellen oder Gewitter ab.“ Rudern ist ein Sport für Menschen, die gerne draußen unterwegs sind – in jeder Altersklasse. Rudern verbindet wie kaum eine andere Sportart viele positive Aspekte: Fast alle Muskelpartien des Körpers werden beansprucht, es ist gelenkschonend und verletzungsarm. Außerdem brauchen Ruderer einen Sinn für Rhythmus. Denn nur, wenn die Ruder, die im Fachjargon Skulls und Riemen heißen, gleichmäßig durchs Wasser ziehen, „läuft“ das Boot.

Die Harmonie macht’s

Im klassischen Achter muss das ganze Team synchron rudern und perfekt harmonieren. Jeder Schlag schiebt das Boot nach vorne. Schon beim Zuschauen spürt man die Dynamik und die Power vom Bundesliga-Achter des HRC. „Man merkt sofort, wenn das Riemenblatt schief ins Wasser taucht“, erklärt Proske. „Und der Albtraum eines jeden Ruderers ist es, einen Krebs zu fangen.“ Keinen echten natürlich, die gibt es in Hannover ja nur im Feinkostgeschäft. Die Redewendung bezeichnet einen technischen Fehler und dessen Folgen: Taucht das Ruderblatt im falschen Winkel ins Wasser, wird es abgelenkt, der Holmen schnellt schwungvoll nach hinten, und das Ruder bleibt hängen. Das Boot verliert enorm an Tempo, schlimmstenfalls kann es sogar kentern oder der Ruderer kann aus dem Sitz geschleudert werden. Läuft es aber gut, gleitet das Boot mit etwa 25 Kilometern pro Stunde über den Maschsee. „Rudern ist die ständige Suche nach dem Flow“, findet Florian Wendt. Der 43-Jährige betreibt diesen Sport seit 25 Jahren und fährt seit drei Jahren in der Bundesliga mit. „Wenn es uns gelingt, mit hoher Schlagzahl technisch sauber zu rudern, ist das immer wieder ein Wahnsinnsgefühl!“

Das legendäre „Boat Race“ auf der Themse

Dass sich die Menschen schon in der Antike mit der Kraft der Muskeln über das Wasser bewegten, wissen wir nicht erst seit den Sklavengaleeren aus den „Asterix“-Comics. Neben Schwimmen und Laufen gehört Rudern zu den ältesten Fortbewegungsarten überhaupt. Man unterscheidet zwischen Skullen, bei dem der Ruderer in jeder Hand ein Ruder hält, und dem Riemenrudern, bei dem er ein Ruder, den Riemen, mit beiden Händen entweder backbord oder steuerbord ins Wasser taucht. Die Engländer verfeinerten den Sport im 18. Jahrhundert und veranstalteten auch die ersten Wettkämpfe. Legendär ist hier die Regatta der Ruder-Achter der Universitäten Cambridge und Oxford, das sogenannte „Boat Race“ auf der Themse, das 1829 zum ersten Mal stattfand und sich bis heute jährlich wiederholt.

Traditions- und erfolgreich

Mit anderen Sportarten wie Tennis und Hockey kam der Rudersport vor der Jahrhundertwende zu uns aufs Festland. Als einer der ältesten und traditionsreichsten Ruderclubs Deutschlands wurde am 16. Mai 1880 der Hannoversche Ruderclub von jungen Kaufleuten gegründet. Bis heute kann er eine Vielzahl nationaler und internationaler Erfolge bis hin zu Weltmeistertiteln und olympischen Medaillen vorweisen. Als reiner Männerverein gegründet, in dem nur Mitglied werden konnte, wer seinen Lebensunterhalt „nicht mit der Hände Arbeit“ verdiente, öffnete sich der HRC im Jahr 1969 auch Frauen und Kindern und heißt sie seitdem offiziell im Bootshaus willkommen.

Und nicht nur dort – auch im Männer-Achter der Bundesliga gibt bei Wettkämpfen oft eine Frau den Ton an: Steuerfrau Julia Triesch sitzt im Heck und gibt über zwei dünne Seile die Richtung vor. Über Lautsprecher ist sie mit jedem Mann verbunden und verteilt die Kommandos. „Die müssen sitzen, sonst herrscht Chaos“, weiß Harald Thoms, der den Achter seit Jahren trainiert. „Eine gute Truppe“, sagt er noch, zu der übrigens auch Tobias Kühne gehört, Olympiafinalist in Athen. Ansonsten ist er kein Mann der großen Worte. „Wenn er am Ende des Trainings o.k. sagt, dann wissen wir, dass wir ziemlich gut waren“, lacht Florian Wendt.

Tipp: Wer unsere Hannoveraner in Aktion sehen will, kann an einem schönen Frühlingsabend (Dienstag, Donnerstag oder Sonntag) oder am Samstagmorgen einfach mal zum Karl-Thiele-Weg radeln, einen Kaffee im Clubhaus des HRC trinken und beim Training zuschauen.

Und wen es jetzt selbst einmal ins Boot aufs Wasser zieht, der fühle sich eingeladen, einmal reinzuschnuppern.

Hier finden Sie alle Trainingszeiten und Schnupperkurse.

Die fünf Wettkampftage kann man per Livestream auf sportdeutschland.tv sehen und dabei die Daumen drücken.

Ausführliche Infos zur Ruder-Bundesliga gibt’s hier.